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Aktuelles Schuljahr

Die Schülerzeitung präsentiert: Etwas von sich an der Schule lassen - Ein Interview mit Herrn Baerens

Etwas von sich selbst an der Schule lassen

Michael Baerens ist seit 22 Jahren Kunstlehrer an unserer Schule – so viel ist bekannt. Aber was geht dem langjährigen Kollegen eigentlich selbst so durch den Kopf, wenn er an seine Arbeit an der Gesamtschule denkt – und wie sieht er die besondere Rolle des Faches Kunst im Schulalltag? Antworten auf diese und andere Fragen gab er unseren Reporterinnen Sila Malcok und Hannah Märtin (EF).

Schülerzeitung: Herr Baerens, was hat Sie dazu bewegt Kunstlehrer zu werden?

Michael Baerens: Ich habe eigentlich mal gehofft, dass ich freier Künstler werden kann, das heißt, dass ich von meiner Kunst leben kann. Das hat aber nie funktioniert. Und da habe ich dann gesagt, ok, Lehrerexamen kann man auch machen und austesten, wie frei man an einer Schule als Kunstlehrer arbeiten kann. Das habe ich jetzt seit über 20 Jahren gemacht, und damit bin ich auch ganz zufrieden.

Wie lange Unterrichten Sie schon an dieser Schule?

Ich bin 1997 im Sommer gekommen, dieses Jahr werden es 22 Jahre.

Unterrichten Sie lieber jüngere oder ältere Schüler?

Ich habe lieber ältere Schüler, weil die schon ein bisschen besser selbst wissen, was sie machen können und was sie machen wollen. Das heißt aber nicht, dass ich nicht auch gerne mit jüngeren Schülern arbeite. Nur hat mich sozusagen die Geschichte der Schule dahin gebracht, dass ich eben all die 22 Jahre im Rahmen des Faches Kunst besonders viel in der Oberstufe gemacht habe.

Fällt es Ihnen schwer, Werke Ihrer Schüler zu benoten?

Nein.

Nein?

Nein!

Gab es in Ihrer Schulzeit eine Lehrerin oder einen Lehrer, der Einfluss auf Ihr weiteres Leben hatte?

In meiner richtigen Schulzeit eher nicht. Aber ich habe dann später im Kunststudium mit Leuten zusammengearbeitet, die wirkliche Lehrer für mich waren. Denen bin ich heute noch tief dankbar, so dass ich wirklich sagen kann: Ich weiß, welche Lehrer ich gehabt habe, die mich geprägt und die mir auch etwas mit auf den Weg gegeben haben. Das hat mir bei dem geholfen, was ich hier an der Schule umsetzten konnte. Aber das waren nicht die Leute aus der Schule. Meine eigene Schulzeit habe ich nicht als besonders schön empfunden.


Waren die Wandbilder in unserem Schulgebäude Ihre Idee? Wie ist es dazu gekommen?

Die Wandbilder sind für mich sehr wichtig, da diese eine Möglichkeit für Schüler darstellen, selber etwas entwerfen und diese Entwürfe dann auch realisieren zu können. Und das heißt ja dann auch, dass, wenn man so ein Wandbild macht als Schüler, man irgendwie etwas von sich selbst hier an der Schule lässt. Außerdem hat man so auch das Gefühl, selber etwas wirklich Sichtbares, Fühlbares für die Gestaltung der Schule erstellt zu haben. Und mir ist wichtig, dass eigene Entwürfe gemacht werden. Mir ist auch wichtig, dass das eine vielfältige Arbeit ist. Das heißt, dass eben nicht einfach nur expressionistisch ausgemalt wird, sondern, dass Dinge zusammenkommen, Teams von Schülern im Gespräch mit mir eigene Ideen entwickeln und es dann zu Entwürfen kommt, die dann an die Wand gebracht werden.

Seit wann gibt es die Wandbilder schon?

Mit den Wandbildern habe ich praktisch sofort angefangen, nachdem ich in die Schule gekommen bin. Das Bild mit den Fischen im sogenannten „Aquarium“ ist von 1999. Das ist ein Bild, welches überhaupt nicht zerstört oder bekritzelt worden ist und ich habe es irgendwann zwischendurch mal mit einer zehnten Klasse ein paar Wochen restauriert.

Fiel es Ihnen schwer, die Idee der Wandbilder durchzusetzen?

Das war unterschiedlich. Gerade in den ersten Jahren musste man schon einige Widerstände überwinden. Und ich habe auch, wenn ich Sachen fertiggestellt hatte, mir manchmal Kritik anhören müssen. Doch gerade jetzt in den letzten Jahren hat sich das völlig gewandelt. Jetzt ist die Situation so, dass ich von der Schulleitung gebeten werde Dinge zu machen, beispielsweise das Bild auf dem Schornstein. Das ist nur dadurch entstanden, dass Herr Weber sich für die kreative Gestaltung des Schornsteines eingesetzt hat. Und das habe ich natürlich auch gerne gemacht, weil ich das als Zentralaspekt meiner Arbeit hier als Kunstlehrer ansehe.


Was war Ihr schönster Moment an dieser Schule?

Es hat schon mehrere schöne Momente gegeben. Ich nenne zwei. Der erste war, als ich 1999 ein Theaterprojekt hatte, ein Stück, das ich entworfen hatte, mit Tanz und vielen weiteren Elementen. Das haben wir dann in einer Partnerschule in einem Vorort von Paris aufgeführt. Es war schön, dass das funktioniert hat. Einige Jahre später habe ich hier eine Aufführung zu dem Musikfilm Grease gemacht. Das war im Rahmen eines Literaturkurses in der 12. Die Idee kam von Schülern und die Schüler haben dann nach und nach alles selber in die Hand genommen. Das war eine Aufführung, die nachher auf die Bühne gekommen ist und bei der wirklich kein Stehplatz mehr in der Mensa frei war. Das wird das sein, woran ich zurückdenken werde, wenn ich später an diese Schule denke.
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