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Aktuelles Schuljahr

Neue Rubrik: "Vorgestellt!"

Für Rima Hassan aus der Klasse 10.3 ist der Schulalltag nicht immer einfach – ihre Vergangenheit war es erst recht nicht. Denn Rima kommt aus Syrien, ist vor dem Bürgerkrieg geflohen und reiste gemeinsam mit Teilen ihrer Familie vor etwas mehr als einem Jahr nach Deutschland. Ein schwieriges Schicksal, das sie mit vielen teilt – auch mit Schülerinnen und Schülern der Gesamtschule Gummersbach. Doch was auch wichtig ist: Rima hat die richtige Einstellung.

"Schwierigkeiten sehe ich als Herausforderung", sagt die Schülerin: "Man muss eben ausdauernd sein." Und ausdauernd ist sie: Ohne Deutschkenntnisse hier angekommen, wollte sie dennoch das Allerbeste aus ihrer Lage machen – und es somit ihrer Schwester gleichtun, die auch aus Syrien nach Deutschland kam und mittlerweile in Berlin auf die Universität geht. Das will Rima auch: studieren, und das am am liebsten in der großen Stadt: "Sehr, sehr schön fand ich es da", erzählt sie von einem Berlin-Trip.

Damit es etwas wird mit dem Studium, muss ein Abi her, und das will Rima unbedingt erreichen. Die Vorzeichen dafür sahen erstmal gar nicht so gut aus. Denn als Rima nach Deutschland kam, wurde ihr an verschiedenen Gymnasien mitgeteilt, dass sie zu alt und ihre Deutschkenntnisse zu schlecht für eine entsprechende Einschulung seien. Sie hat sich beraten lassen, und die Gesamtschule Gummersbach wurde ihr empfohlen. Jetzt geht sie mit mit 19 Jahren in die zehnte Klasse – etwas nervig sei das schon, meint sie, aber dennoch keine verlorene Zeit: "Ich hatte Angst, es nicht zu schaffen. Jetzt nutze ich die Zeit so gut, wie ich kann."

Zum Beispiel mit Deutsch lernen. Rima kann mittlerweile in jedem Smalltalk und auch im Unterrichtsgespräch mithalten; das reicht ihr aber noch nicht: "Die Sprachbarriere merke ich immer noch – manchmal kann ich nicht genau das ausdrücken, was ich denke." Hilfe bei dieser Herausforderung, erzählt Rima, erhält sie von den Lehrerinnen und Lehrern dieser Schule: "Die verstehen meine Situation und unterstützen mich sehr."

Die Lehrerinnen und Lehrer ihrerseits freuen sich über Rimas schnelle Fortschritte im Erlernen der deutschen Sprache – und an ihren unterrichtlichen Leistungen im Allgemeinen. Die sind nämlich nicht selten "gut" oder sogar "sehr gut" – trotz Sprachbarriere!

Wie ist er denn so, der Unterricht in Gummersbach? "Ganz anders als in Syrien, viel praxisorientierter! Die Inhalte sind ähnlich, die Methoden andere – das musste ich erst lernen. In Chemie zum Beispiel machen wir viel mehr Versuche, und in Englisch wird tatsächlich Englisch gesprochen – in Syrien war auch der Englischunterricht größtenteils auf Arabisch."

Heimweh ist natürlich trotzdem da: "Ich kann meine Verwandten, die noch in Syrien leben, nicht besuchen – Grund ist der Krieg." Und für immer in Gummersbach wird Rima wohl auch nicht bleiben: "Ich habe früher immer eine Zahnärztin besucht und bei der Arbeit zugeschaut, das fand ich ganz faszinierend, das möchte ich auch mal machen und es in einer großen Stadt studieren. In einer Kleinstadt ist es auch etwas schwierig, die Freizeit zu gestalten; für vieles muss man nach Köln fahren." Und noch etwas anderes, verrät Rima, nun kichernd, gefalle ihr an ihrer neuen Heimat nicht so richtig: "Da Essen!"

Wenn Rima weiter so viel Einsatz zeigt, hat sie aber gute Chancen, eine erfolgreiche Schulkarriere abzulegen und nach Berlin zu gehen, um dort zu lernen, Menschen die Zähne zu ziehen – und so manches feine syrische Restaurant soll es da ja auch geben. So oder so: Rima ist ein tolles Beispiel für gelungene Integration und dafür, dass Fleiß und Beharrlichkeit sich auszahlen – und somit die perfekte Kandidatin für die erste Folge unserer neuen Rubrik.

 

 

 

Text und Interview: Christoph Seemann

Foto: Britta Raddag

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