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Aktuelles Schuljahr

Hausmusik statt House Musik in der Bibliothek

Ziemlich genau vor einem Jahr begeisterten Frank Stinder (Klavier) und Phil Phillips (Gesang) das Publikum mit Stücken bekannter Komponisten. In diesem Jahr wurde das Duo um die Studienreferendarin Christina Trageser (Querflöte) erweitert. Neben den berühmten Größen standen dieses Mal auch Stücke auf dem Programm, die dem Musiklaien nicht zwangsläufig vertraut waren.

In der gut gefüllten Bibliothek eröffnete Frank Stinder mit Bachs Sarabanden aus den französischen Suiten. Die barocken Tanzsuiten waren auch Thema im Unterricht der Jahrgangsstufe 11. Auf die geplante Anmoderation der Stücke durch die Schüler musste leider verzichtet werden, da am folgenden Tag eine Mathe-Klausur auf dem Programm stand.

Anschließend begeisterte Phil Phillips mit der Arie des Leporello aus Mozarts Don Giovanni: in der zynischen Passage muss Leporello Donna Elvira trösten und zählt sämtliche Liebschaften Don Giovannis auf, die er in seinem Buch vermerkt hat. In Italien wären es demnach 640 Frauen, 231 in Deutschland, 100 in Frankreich, 91 in der Türkei, in Spanien sogar 1003 gewesen.

Nach einer kurzen Exkursion zu den poetischen Tonbildern des norwegischen Pianisten und Komponisten Edvard Grieg (Opus 3/1-4) präsentierten Christina Trageser und Frank Stinder „Undine“, Carl Reinickes Sonate e-Moll für Flöte und Klavier, op. 167. Tragesers Querflötenspiel um die Nymphe Undine, die erst dann eine Seele bekommt, wenn sie sich mit einem Menschen vermählt, brachte den romantischen Charakter des Stückes hervorragend zum Ausdruck und kam beim Publikum sehr gut an.

Mit der Beethoven-Sonate, Opus 31, Nr. 1, mit der Stinder die „Eckigkeit und Unverfrorenheit“ des großen Künstlers gegenüber den „Fasanen fressenden Adeligen“ zeigen wollte, wie der Reichshofer Klaviervirtuose erläuterte, konnte anschließend Phillips mit seiner bemerkenswerten Stimme wiederum das Publikum in seinen Bann ziehen: der US-Amerikaner interpretierte Brahms’ „Wie Melodien zieht es mir leise durch den Sinn“ (Opus 105/1) und „Oh wüsst ich doch den Weg zurück“ (Opus 63/8).

Am Ende des Abends präsentierten Trageser und Stinder noch den ersten Satz einer Sonatine für Flöte und Piano des Franzosen Darius Milhaud, der, inspiriert durch zahlreiche Auslandsaufenthalte, den Weg in die Moderne antrat und mit 79 Jahren noch zum ordentlichen Professor ernannt wurde.

Schließlich hatte es die drei Musiker geschafft, ihrem Publikum an diesem lauen Frühsommerabend die Faszination klassischer Klänge und Motive zu vermitteln. Stinder war es noch wichtig zu betonen, dass diese Aufführung kein isoliertes Event war: schon im Musikunterricht sind die Stücke den Schülern vorgestellt worden und so gemeinschaftlich bei öffentlicher Probenarbeit „feingeschliffen“ worden.

M. Roter

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